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Stuhlinkontinenz


Unter Stuhlinkontinenz, auch Darmschwäche genannt, versteht man den unwillkürlichen Verlust von Darminhalt oder Winden. Der Schweregrad reicht von geringer Verschmutzung der Unterwäsche bis zum massiven Verlust von flüssigem, breiigem oder festem Stuhl. In der Altergruppe der Berufstätigen sind etwa 5% betroffen, ab 65 steigt der Prozentsatz naturgemäß an. Vermutlich leidet etwa jeder zehnte ältere Mensch an Darmschwäche. Häufige Ursachen sind eine Verletzung oder Schwäche des Schließmuskels, Durchfall auf Grund chronischer Darmerkrankungen, körperliche Abbauprozesse durch Behinderung oder hohes Alter. Es können aber auch schwere Verstopfungen, Veränderung der Darmschleimhaut, Hämorrhoiden, Übergewicht, falsche Ernährung oder eine Krebserkrankung Gründe für unwillkürlichen Stuhlabgang sein.

Behandlung
Operation

Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache der Stuhlinkontinenz ab. Bevor die Inkontinenz selbst behandelt wird, muss eine eventuelle zugrunde liegende Erkrankung (z.B. entzündliche Darmerkrankung) ausgeschlossen bzw. therapiert werden.
Es gibt drei Wege Darmschwäche zu behandeln, die meist auch kombiniert eingesetzt werden: Stuhlgangregelung durch Diät, Medikamente und Toilettentraining, Muskeltraining sowie ein chirurgischer Eingriff.

Diät, Medikamentöse Therapie
Mithilfe von diätetischen Maßnahmen (z.B. ballaststoffreichere Nahrung, eingeschränkter Kaffeekonsum, wenig blähende Speisen) und Arzneimittel (Medikamente zur Stuhleindickung und gezielte Entleerungen durch Abführzäpfchen oder Einläufe) sollten innerhalb weniger Wochen regelmäßige Entleerungen von geformtem, aber weichem Stuhl wieder möglich sein.
Mit dem Medikamenten kann das Toilettentraining (siehe weiter unten) unterstützt werden: Stuhlfrequenz und Stuhldrang werden reduziert und die Intervalle zwischen den Entleerungen verlängert.

Muskeltraining

Beckenboden- bzw. Schließmuskeltraining
Nach der Stuhlgangregelung wird durch Beckenboden- bzw. Schließmuskeltraining die Muskulatur gestärkt. Die Übungen, die unter Anleitung einer Physiotherapeutin erlernt werden, sollen 3mal täglich mindestens 5 Minuten lang durchgeführt werden. Durch konsequentes Beckenbodentraining können gute Erfolge erzielt werden.

Biofeedback
Auch mittels Biofeedback (Ballonkatheter mit Steuergerät) können Schließmuskel und Beckenboden trainiert werden. Es wird eine Sonde in den After einführt, die mit einem Gerät verbunden ist. Auf einem Bildschirm wird die Aktivität der Muskulatur durch optische und akustische Signale sicht- (oder hör)bar gemacht und gezeigt, mit welchen Bewegungen die Schließmuskelfunktion verbessert werden kann.

Elektrotherapie
Bei der Elektrotherapie wird eine Elektrode in den After eingeführt, die den inneren Schließmuskel durch schwache Reizströme zur Muskeltätigkeit anregt. Dieses Training sollte mindestens 3 Monate lang 2x täglich über 20 Minuten durchgeführt werden. Mehr dazu bei Wedermann/Conmax®

Toilettentraining
Das Toilettentraining bei einer Stuhlinkontinenz wird ähnlich durchgeführt wie bei einer Harninkontinenz. Der Patient lernt dabei, die Darmentleerung nur einmal am Tag und zwar immer zur selben Zeit durchzuführen. Anfangs kann die Stuhlentleerung mithilfe von Abführzäpfchen unterstützt werden. Hilfreich ist das Führen eines Stuhltagebuches.

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Operation
Operiert wird, wenn konservative Methoden nicht ausreichend gegriffen haben oder der Schließmuskel defekt ist. Die meisten Operationen sind kaum belastend und somit auch für ältere Patienten unproblematisch.

Wiederherstellung des Schließmuskels
Die Rekonstruktion des geschädigten Schließmuskels ist einfach und komplikationslos. Die Muskelränder im ringförmigen Afterschließmuskel werden nach Hautschnitt und Durchtrennung des Unterhautfettgewebes überlappend aneinander genäht.

Künstlicher Schließmuskel
Kann der Schließmuskel nicht mehr repariert werden, wird eine mit Flüssigkeit gefüllte Kunststoffmanschette um den After eingebracht. Über ein Druckknopfsystem, das beim Mann in den Hodensack, bei der Frau in eine der beiden großen Schamlippen eingepflanzt wird, ist die Manschette mit einem Ballon verbunden. Durch kurzes Drücken fließt die Flüssigkeit aus der Manschette in den Ballon. Die Manschette gibt nach und der After öffnet sich zur Stuhlentleerung. Nach einigen Minuten füllt sich die Manschette wieder und der After verschließt sich.

Sakralnerven-Stimulation
Da neben dem Schließmuskel meist auch Nerven beschädigt sind, kann durch permanente Stimulation dieser Nerven die Inkontinenz gebessert werden. Angelehnt an das Prinzip eines Herzschrittmachers wird (nach 2-wöchiger Testphase, ob die Nerven auf die Stimulation ansprechen) eine Elektrode mit angeschlossenem Schrittmacher permanent unter die Haut eingepflanzt. Durch den „Nervenschrittmacher“ kann wieder eine ausreichende Muskelkontraktion erreicht werden.

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Redaktion: Univ.-Prof. Dr. Engelbert Hanzal
Webdesign: Health@Net Services - Dr. Peter Gründler
Letzte Änderung: 16.06.06