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Kontinuierliche Harninkontinenz
Die kontinuierliche Harninkontinenz bedeutet Harnverlust über
einen anderen Weg als
über die Harnröhre.
Wir unterscheiden:
- Die angeborene kontinuierliche Harninkontinenz
bei ektopem Harnleiter, der aus entwicklungsgeschichtlicher Ursache
nur beim weiblichen Geschlecht zur Inkontinenz führt.
- Die
erworbene kontinuierliche Harninkontinenz im Rahmen von urogenitalen
Fisteln, nach Operationen oder nach Bestrahlung.
Die Harnleiterektopie ohne gleichzeitige Duplikatur des Harnleiters
ist sehr selten und resultiert aus dem Fehlen der Induktion der Trigonumbildung.
Meist ist der ektope Harnleiter allerdings mit einer Doppelanlage
verbunden, wobei der ektope Harnleiter, der proximal aus dem Wolff-
Gang entspringt, zum oberen Nierenpol gehört, bedingt durch
die Migration des kaudalen Anteils des Wolffschen Ganges in Kombination
mit der Rotation nach medial und kaudal. Der Harnleiter des oberen
Nierenanteiles befindet sich also näher zum Blasenhals (Meyer – Weigertsche
Regel). Bei sehr kranialer Insertion der proximalen Knospe mündet
der ektope Harnleiter am Blasenhals oder kaudal. Die fehlende Trennung
des Harnleiters vom Wolffschen Gang führt bei beiden Geschlechtern
zur ektopen Mündung im Bereich der genitalen Strukturen. Es
mündet also der ektope Harnleiter beim Mann in die Derivate
des Wolffschen Ganges, somit immer proximal des
Sphinkter urethrae externus. Die Harnleiterektopie beim Mann führt nicht zur Inkontinenz,
sondern zu chronischen Infekten (zB Epidydimitis).
Bei
der Frau degeneriert der Wolff Gang bis auf die Reststrukturen,
auch als Gartner Gang bezeichnet. Der ektope Harnleiter mündet
also lateral oder antolateral in die Vagina oder paraurethral, was
zu einer kontinuierlichen Inkontinenz führt.
Zu den Symptomen eines ektopen Ureters beim Mädchen gehört
vor allem die seit
Geburt bestehende tropfenweise Inkontinenz bei ansonsten normaler
Miktion. Bei infiziertem Urin entsteht durch den „vaginalen
Fluor“ eine Dauerirritation. Bei hoher Ektopie kann die Inkontinenz
fehlen, hier ist meist ein Reflux vordergründig, mit den bekannten
Folgen des rezidivierenden Harnweginfektes. Eventuell besteht auch
eine Hydronephrose wegen Obstruktion des ektopen Harnleiterostiums.
Mädchen
sind 5 Mal häufiger betroffen als Buben, bei denen
allerdings eine Ektopie ohne gleichzeitige Doppelung des Hohlraumsystems
eher vorkommt als bei Mädchen. Die vorherrschenden Symptomen
beim Buben sind der Harnwegsinfekt mit Pyurie und Epidydimitis
(bedingt durch die Harnleitermündung in die genitalen Strukturen
des Wolffschen Ganges). Die Abklärung umfasst neben der obligaten
Harnuntersuchung, die Sonographie mit besonderem Augenmerk auf
eventuell dysplastische obere Nierenanteile. Ein Miktionszystourethrogramm
(MCU) um einen, bei gedoppeltem Hohlraumsystem hauptsächlich
in den unteren Nierenanteil vorkommenden Reflux auszuschließen,
die Urethrozystoskopie, um das ektope Ostium zu identifizieren.Allenfalls
ein Nierenröntgen, um den Harnleiterverlauf zu kennen
oder die Mündung des
Harnleiters zu dokumentieren, so wie ein Nierenszintigramm, um
die Funktionstüchtigkeit des meist dysplastischen oberen Nierenanteils
zu überprüfen. Ein CT oder MR der Nieren kann im Einzelfall
nützlich zur Diagnosestellung sein.
Die Therapie besteht meist
in der Heminephroureterektomie. Bei fehlendem Reflux in das ektope
Ostium kann der distale Harnleiterstumpf belassen werden. Eine
Harnleiterneuimplantation ist nur bei ausreichender Funktion des
betroffenen Nierenanteils möglich und sinnvoll.
Bei gleichzeitigem Reflux in den unteren Nierenanteil sollte auch
die Ureterneueinpflanzung dieses Harnleiters erfolgen.
Ursache der erworbenen kontinuierlichen Harninkontinenz sind Fisteln
im urogenitalen Bereich, entstanden meist als Bestrahlungsfolge,
nach Operationen im kleinen Becken, traumatisch, entzündlich
oder durch Tumoreinbrüche. Von der Lokalisation her unterscheidet
man
- ureterovaginale-,
- vesikovaginale-,
- urethrovaginale,
- vesikovaginorektale Fisteln
- Kombinationen.
Die Behandlung besteht rein operativ. |